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Zum Tag der Deutschen Einheit

Steht die Mauer in den Köpfen noch?

Ja. Tut sie. Zumindest ein bisschen. Wie's im Osten ist, weiß ich nicht aus eigener Anschauung, aber wie's aussieht ist sie teilweise noch ziemlich stabil. Im Westen auch. Ich achte heute - das ist schon zu einer Tradition am 3. Oktober geworden - darauf, sämtliche Nachrichten und politischen Sendungen im Fernsehen zu meiden. Falls ich den Fernseher anschalte, dann werde ich akribisch drauf achten, dass mir nichts außer einem amerikanischen Film auf die Mattscheibe kommt.

Ich kann die Rückblendungen ins Jahr 1990 nicht mehr sehen, ich kann das Geschwätz der Politiker dazu nicht mehr hören, ich weiß jetzt schon, was sie sagen werden: Sie werden uns - im Osten aber vor allem im Westen - annörgeln anmahnen, die Mauer in den Köpfen einzureißen. Je mehr sie das verlangen, desto weniger wird's passieren. Und das ist nicht gut. Ich will inzwischen, dass es passiert. Es hat lange gedauert bei mir, aber vielleicht war das gar nicht so sehr der falsche Weg?

Ich ware eine Gegnerin der Wiedervereinigung. Komplett westgeprägt markierte die deutsch-deutsche Grenze für mich eine Barriere, hinter der nichts war, was einen irgendwie interessieren müsste. Ich empfand niemals Feindseligkeit, nur ein ausgeprägtes Desinteresse. Politiker, die ab und zu vom Traum einer deutschen Einigung sprachen, hielt ich für realitätsferne Spinner - und wie ich zugeben muss, habe ich sie auch heftig verdächtigt, alte Nazis zu sein. Manche davon waren's natürlich auch. Alle? Das weiß ich nicht.
Wiedervereinigung war kein Thema für mich - es schien so realitätsfern und so wenig wünschenswert wie eine Aufnahme Burkina Fasos in die EU. Naja oder wie eine Aufnahme der Türkei in die EU...
Die Nazischweine wollten den Teich aussaufen und haben sich glücklicherweise daran verschluckt. Die deutsche Teilung war - zusammen mit den Gebietsverlusten - für mich etwas wie die gerechte Strafe dafür, bei weitem nicht groß genug, aber besser als nix. Dass diese Strafe für uns im Westen weniger lästig ( genaugenommen überhaupt nicht lästig) war als für die Menschen im Osten, war mir zwar schon klar, aber was sollte man machen? Such is life und man kann sich nicht aussuchen, wo und wie man geboren wird. Wie gesagt, besser als nix.

Einzig während der Olympischen Spiele beobachtete ich neugierig die Sportler aus der DDR - Menschen, die so fremd waren, dass es merkwürdig schien, dass sie deutsch sprachen. Ich hatte nie das Gefühl, dass da etwas "zusammengehört" und sah deshalb auch nicht ein, warum da etwas "zusammenwachsen" sollte.

Dann kam 1989.

Der Fall der Mauer war wirklich schön, dem Hype konnte ich mich ganz kurz auch nicht entziehen. Geschmacklos daran fand ich allerdings, dass sie von allen möglichen Tagen ausgerechnet am 9.11. fiel - am Tag der Reichspogromnacht. Irgendwie dachte ich: Auf einen Tag wär's jetzt doch auch nicht mehr angekommen? Oder zwei Tage, denn der 11.11. wär sogar ein richtig tolles Datum dafür gewesen. Ich frage mich heute noch: War's Absicht? Sollte mit dem Mauerfall diesem Tag ein anderes Gesicht gegeben werden.... weg von der Erinnerung an dunkle Zeiten und hin zu einem etwas nassforschen und peinlich wirkenden "Wir sind wieder wer" ?


Noch Anfang 1990 schien eine Wiedervereinigung fast genauso lächerlich wie zuvor. Die Firma, für die ich arbeitete, ein Reiseunternehmen, stürzte sich sofort auf den neuen Markt. Ich muss zugeben, es war aufregend, es war wie Neuland betreten. Telefonieren war ein Glücksspiel. Den ganzen Tag drückte man die Taste Wahlwiederholung, um schließlich richtig zu erschrecken, wenn nach Stunden des tut-tut-tut endlich ein Freizeichen kam und danach eine nette Stimme mit lustigem Dialekt.

Abends zu Hause bearbeitete ich "Beschwerdebriefe" unserer östlichen Kunden. Oh Mann! Sie kamen waschkörbeweise. Auch westliche Kunden schreiben saudumme Beschwerdebriefe an Reiseunternehmen - das ist nichts Ungewöhnliches. Aber was auffiel, war, dass kaum eine Beschwerde - sei es darüber, dass es nur eine Sorte Wurst zum Frühstück gab oder der Bus hundert Meter von einer Sehenswürdigkeit entfernt parkte, während andere Busse (natürlich mit westdeutschen Touristen drin) einen etwas näheren Parkplatz fanden - ohne den Satz auskam: "Sie glauben wohl, wir sind Bürger zweiter Klasse und mit uns kann man's machen."

Liebe Leser aus dem Osten: Das haben wir niemals geglaubt. Nicht in diesem Reiseunternehmen - da wo wirklich Fehler vorkamen, war das nie Absicht der Sorte "Die Ossis werden's schon nicht merken" und da waren wir auch kulant, weil es schlicht und einfach unangenehm ist, wenn Kunden unzufrieden sind. Und auch niemals ganz allgemein.

Was ist passiert?

Was ist passiert, dass nach all der Begeisterung dieses Misstrauen aufkam, diese Bereitschaft, uns für "arrogant" zu halten? Wir blieben einfach wie wir waren... wir behandelten die neuen Kunden aus dem Osten kein Stück anders als die alten aus dem Westen: Entgegenkommen, da wo wirklich Mist passiert ist, klare aber extrem höfliche Abfuhr, da wo nörgelige Nörgler grundlos nörgelten.

Aber so wie wir waren, erschien das wohl im Osten kalt und arrogant. So wie die Menschen aus dem Osten waren, schien uns das wehleidig und naiv.

Es ist immer noch ein bisschen so, oder? Das Verhältnis Ost-West ist überall da, wo die "Mauer in den Köpfen noch steht" geprägt von dem Gefühl, von Westlern als minderwertig betrachtet zu werden auf östlicher Seite und von Gereiztheit darüber auf westlicher Seite. Das kann sich wunderbar in den Schwanz beißen und hochschaukeln - die Situation hat alle Qualitäten, die's für einen Teufelskreis braucht. Feiertagsreden helfen da nichts, auf mich wirken sie sogar kontraproduktiv - gerade deshalb bleibt ja der Fernseher heute aus.

Es waren übrigens vor allem ganz pragmatische Gründe, aus denen ich damals gegen die Wiedervereinigung war. Das Gefühl, dass man das nicht braucht, war selbstverständlich da, aber nur, weil man etwas nicht braucht, heißt das ja noch lange nicht, dass man dagegen sein muss. Es könnte einem ja auch egal sein. Ich dachte: "Oh Gott, das wird einen A... voll Geld kosten. Soviel Geld haben wir nicht, das ist doch irr."

Und heute? Heute bin ich immer noch pragmatisch. "Nimm Dir, was Du haben willst und bezahle dafür, sagt Gott" lautet ein spanisches Sprichwort. Wir wollten die Vereinigung, wir haben die Vereinigung, wir können sie nicht mehr rückgängig machen und seit ein paar Jahren finde ich es auch nicht mehr schade und so langsam sogar schön, dass man sie nicht mehr rückgängig machen kann. Das Blödeste, was man jetzt tun kann, ist über den Preis zu nörgeln.

Ich habe während meiner Arbeit in den frühen 90ern nicht nur die Herren und Damen "Beschwerdeführer" aus dem Osten kennengelernt, sondern auch die neuen Kollegen. Vor allem am Telefon aber auch persönlich. Und das war uneingeschränkt positiv. Nette freundliche Menschen, verdammt engagierte, kluge und fleißige Mitarbeiter, die sich die größte Mühe gaben. Und ja - hier muss ich zugeben, manche von uns waren da wirklich teilweise ungerecht und "arrogant", haben wirklich überlegen getan, haben verborgen, dass auch wir nur mit Wasser kochen.


Lassen wir die Politiker ihren Schwall absondern und hören wir nicht auf sie, rollen wir mit den Augen über die auf beiden Seiten, die sich damals vor hysterischer Begeisterung kaum einkriegen konnten und heute enttäuscht und gehässig sind, versuchen wir, nicht political correct so zu tun, als ob da keine Mauerreste mehr in den Köpfen wären. Anerkennen wir, dass sie noch da sind, dass wir aber mit ihnen leben können, weil wir wissen, dass sie Jahr für Jahr weniger werden. Anerkennen wir, dass Dinge ihre Zeit brauchen und dass es viel besser ist, eine geistige Mauer langsam abzutragen, die Steine einzeln wegzunehmen und sie dann auch gleich richtig zu entsorgen anstatt die Mauer unter Politiker-Befehl zu sprengen und die Trümmer rumliegen zu lassen, weil sie so groß sind, dass einem das Entsorgen als unschaffbare Aufgabe erscheint.

Es hat über 10 Jahre gedauert bei mir, den Ostteil Deutschlands als Inland, als Teil meines Landes, anzusehen. Damit bin ich wohl eine Horrorfigur für die Sonntagsredner des 3. Oktober. Eine Horrorfigur für meine Landsleute im Osten hoffentlich nicht.

Ich hab's als "Zwangsehe" gesehen - und wenn auch alles dagegenspricht: Manchmal gehen Zwangsehen tatsächlich gut. Ich glaube inzwischen fest: Diese hier wird gutgehen. Wir haben Sorgen und Feinde genug: Machen wir gemeinsam das Beste draus.

Mein Desinteresse, meine Zweifel, meine finanziellen Bedenken waren ehrlich. Aber das Zusammengehörigkeitsgefühl, das sehr langsam entstanden ist, ist es auch.

Der Fernseher bleibt trotzdem aus. Denn schließlich ist ja zu allem Überfluss heute auch noch der Tag der Offenen Moschee. Und DAS, was dazu geschwallt wird, muss man sich wirklich nicht antun.

3.10.06 13:37
 


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D.N. Reb / Website (8.10.06 18:08)
1990 kam der Klassenfeind in unsere NVA-Kaserne und gucke da, das waren auch Menschen. Sogar höfliche, mit guten Manieren, die sich wohltuend von unseren blubbernden Vorgesetzten abhoben. Keine Spur von Besserwessi.

Einerseits war ich froh, nie gegen Bundeswehrsoldaten kämpfen zu müssen, andererseits hätte ich mir gewünscht, den Traum von einer gerechteren Gesellschaft nicht einfach so wegzuwerfen. Mit dem 03.10. kann ich nichts anfangen. Feiertag ist für mich immer noch der Siebente.

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